Bunter Lebensrhythmus und stetiges Aufbrechen

Das Kirchenjahr

Viele von uns finden es interessant und vielleicht auch ein wenig lustig, wenn wir lesen, dass in der chinesischen Zeitrechnung ein neues Jahr angebrochen ist, derzeit das Jahr des Erd-Schweines. Mehrere Kulturen und Religionen haben ihren eigenen Kalender, aber weltweit ist der Gregorianische Kalender mit seinen 365 Tagen am meisten verbreitet. Eingebettet in unser Kalenderjahr ist das christliche Kirchenjahr zwischen dem ersten Advent und dem Ewigkeitssonntag im November. Wenn wir unseren Taschenkalender aufschlagen oder im Smartphone öffnen, dann treten uns nicht nur Monate und Zahlen entgegen, sondern zahlreiche kirchliche „Events“, die den Jahreslauf gliedern, ohne dass wir weiter darüber nachdenken. Die graphische Darstellung des Kirchenjahres in Kreisform verdeutlicht, dass es einen eigenen Rhythmus hat und bunt ist, aberzugleich überschaubar bleibt. Zuerst ins Auge fallen wohl die liturgischen Farben weiß, violett, grün, rot und schwarz. Nach ihnen bestimmt sich die Farbe der Paramente an Altar und Kanzel in der Kirche. Sie kennzeichnen den Wechsel zwischen Festzeiten, Phasen der Festvorbereitung und festfreien Zeiten. Dabei sind alle diese Zeiträume nicht nur eng verbunden mit den natürlichen Jahreszeiten, sondern auch mit den früheren agrarisch bestimmten Abläufen zwischen Arbeit und Muße. Die christliche Tradition mit ihren Festkreisen und Feiertagen hat im Lauf der Zeit viele gewachsene Bräuche hervorgebracht. Dazu zählen nicht nur Weihnachten mit dem Eintritt des Lichtes in der dunkelsten Jahreszeit und Ostern in der wieder aufblühenden Natur als Sieg des Lebens über den Tod. Auch die Vorbereitung solcher Feste gehört dazu, und nicht nur Christi Himmelfahrt und Pfingsten als helle Feste, sondern auch Karfreitag und der Ewigkeitssonntag als Stationen stiller Besinnung mit dem Gedenken an Jesu Tod und die Verstorbenen. Das Kirchenjahr: ein eigener, zwar bunter, aber auch altgewohnter Lebensrhythmus, der die Grunddaten des Glaubens mit dem Ablauf des Jahres verbindet, in der Erinnerung, im Feiern, in Liedern und Bräuchen. Was wie ein immer gleicher Rhythmus ohne Variation erscheinen mag, bildet zugleich aber auch den Ausgangspunkt für immer neue Aktivitäten – im Jahreslauf wie im individuellen Leben. Denn so will das Kirchenjahr verstanden werden: als Spiegel unseres eigenen Lebens mit der stets gegebenen Chance, ausGefährdung und Leid, Angst, Trauer und Tod immer wieder neu einzutreten in freudige und hoffnungsvolle Abschnitte mit Lebenslust, Solidarität und Glück. Wer sich in der österlichen Phase des kirchlichen Jahreskreises mit Jesu Tod und Auferstehung diese stetige Chance klarmacht, wird Zuversicht empfinden und den Mut fühlen, immer mal wieder neu aufzubrechen – durchaus mit allen Farben des Regenbogens.

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