Verzicht tut gut - aber wie?

Wir sitzen zu dritt am Mittagstisch und die Tränen rinnen meiner großen Tochter über ihr Gesicht. Hinter den Tränen steht ihre Angst. „Mama, was sagst du da?“ Es ging um die Sehnsucht nach Schnee. Es ging um die Veränderungen auf der Welt und den Klimawandel. Es ging um die Angst, die mit der Information, die Pole werden schmelzen, verbunden war. Wo und wie werden wir in 30 Jahren noch auf dieser Welt leben? Ich habe kein Blatt vor den Mund genommen. Denn das hilft jetzt nicht mehr. Wir dürfen nicht mehr schweigen und wir dürfen auch nicht mehr schönreden. Auch unsere Kinder müssen es wissen. Und sie wissen es manchmal viel besser als wir Erwachsenen. Meine jüngste Tochter erinnert mich immer wieder daran: „Mama, schau mal! Jetzt hast du wieder nicht auf Plastik verzichtet!“ „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!“ So lautet die Jahreslosung 2021, Lk 6,36. Gottes Barmherzigkeit soll uns ein Vorbild sein. Wir sind als Menschen nicht nur eingeladen, sondern auch aufgefordert, selbst barmherzig zu sein - und dieses auch unserer Welt gegenüber, auf der wir leben. Barmherzigkeit in punkto Klimawandel. Das heißt für mich Rücksichtnahme, ein Herz für unsere Welt. Barmherzigkeit gegenüber der Erde, der Luft, den Meeren und den Pflanzen und Tieren. Denn sie brauchen unsere Unterstützung. Vor ca. 20 Jahren war ich in einem Indianerreservat in South Dakota eingeladen, die indianischen Rituale mitzufeiern. Dabei hat mich am meisten die Haltung der Indianer gegenüber der Welt als Ganzes bewegt. Sie kam zum Ausdruck in einem Gebet, das die ganze Welt einschließt. Ein Gebet für die Natur, die Pflanzen, die Erde, die Wasser, die Himmel. Ein Gebet für die Menschen, die Kranken und Gesunden, die Armen und die Reichen. Ein Gebet für Versöhnung und Liebe, Barmherzigkeit mit uns selbst und allem, was uns umgibt. Möge uns dieses Gebet der Indianer ein Vorbild sein können. Möge uns die Jahreslosung 2021 wie ein tägliches Mantra an unsere Barmherzigkeit gegenüber der Schöpfung und den Geschöpfen erinnern. „Verzicht tut gut“, das geht in meinen Augen nur mit der richtigen inneren Haltung dem Leben und der Welt gegenüber. „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!“ Pastorin Deecken

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