Noah auf dem Corona-Meer

Wir alle kennen sie, jedenfalls so ungefähr: die Geschichte von der Arche Noah. Da wird ein Trupp Menschen, eine Großfamilie mit Kind und Kegel und vor allem mit vielen Tieren, in einem altertümlichen Schiff vor einer großen Flut gerettet, die die ganze Erde bedeckt.   Die Erzählung steht in der Bibel, ziemlich am Anfang. Dort wird uns erzählt: Die Katastrophe ist menschengemacht. Schon lange vor der Flut haben menschliche Übergriffe die Erde ruiniert. Sie ist nicht mehr Lebens-Raum, sondern Gewalt-Raum. Die Katastrophe ist absehbar. Die große Flut ist nur das literarische Bild, in dem uns von der Katastrophe erzählt wird.   Nur einer ist anders. Er macht nicht mit. Er bleibt dem Weg des humanen Miteinanders treu und übernimmt Verantwortung für die Gemeinschaft. Er heißt Noah, „Tröster“. Er versucht, einen Weg der Rettung zu finden. Auf ihn können Gott und Menschen bauen.  Manches an dieser Erzählung erinnert mich an die Corona-Pandemie. Aber Vorsicht: Nach allem, was wir bisher wissen, ist dieses Virus nicht menschengemacht. Die Rahmenbedingungen allerdings schon: die Globalisierung unserer Welt, in der das Virus sich mit Fluggeschwindigkeit fortbewegt; die bedrohliche Abhängigkeit unseres Medikamentenmarkts von wenigen Produzenten in Billiglohnländern; prekäre Beschäftigungsverhältnisse, unzureichende Sozialsysteme, dem „freien“ Markt ausgelieferte Gesundheitssys-teme, Autokaufprämien und Steueroasen, Rassismus, die Zustände an deutschen Schlachthöfen… Und nicht zuletzt der ökologische Notstand hinter alledem. Das alles war schon vor Corona so. Nun werden die Schwachstellen unserer Gesellschaft unübersehbar, ihre wahren Stützen allerdings auch: Menschen in der Pflege, im Einzelhandel, im Nahverkehr – vor allem viele Frauen.   Wie das enden wird? „Arche“ bedeutet „Anfang“. In der Arche geht etwas Neues los. Unser Bundespräsident hat in seiner Osteransprache am 11. April davon gesprochen: … die Welt danach wird eine andere sein. Wie sie wird? Das liegt an uns! Lernen wir doch aus den Erfahrungen, den guten wie den schlechten, die wir alle, jeden Tag, in dieser Krise machen.  Diese Pandemie … ist eine Prüfung unserer Menschlichkeit. Sie ruft das Schlechteste und das Beste in den Menschen hervor. Zeigen wir einander doch das Beste in uns!  So wie Noah. So wie die jungen Leute von „Fridays for Future“, die jetzt wieder aktiv werden. So wie die Aktivisten und Aktivistinnen von „Leave no one behind“. Es gibt sie in jeder Generation: Menschen, die Verantwortung übernehmen für die Gemeinschaft und versuchen, Wege der Rettung zu finden.                                            Pastorin Hoffmann     

  • RSS
  • Zum Seitenanfang
  • Seite drucken

© 2020 Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Eversten | Zietenstraße 6 | 26131 Oldenburg | Tel.: 0441-957000 | E-Mail: kirchenbuero.ol-eversten@No Spamkirche-oldenburg.de |