"Ev.-luth. Kirchengemeinde Eversten"

St. Ansgar
Foto: Iris Brandt
Ev. Kirche Bloherfelde
Foto: Tobias Frick
Nikolaikirche
Foto: Iris Brandt

Ein für die Geschichte unserer Gemeinde(n) bedeutsames historisches Datum soll nicht unbemerkt und unbedacht vorübergehen: Der Jahreswechsel 1969/1970! Am 31.12.1969 gab es noch eine „Ev.-luth. Kirchengemeinde Eversten“, am 1.1.1970 trat das sog. Eversten-Gesetz in Kraft und vollzog die Teilung der vormaligen Kirchengemeinde Eversten in die – damals zunächst noch vier – Kirchengemeinden Bloherfelde, Eversten-Nord, Eversten-Mitte und Eversten-Süd. Erst 1994 wurden durch eine Änderung des Eversten-Gesetzes aus den vier die drei Kirchengemeinden Bloherfelde, St. Ansgar Eversten und Nikolai Eversten gebildet, wie wir sie heute kennen.

Was war passiert? Durch die rege Bautätigkeit in den 60er Jahren war die Zahl der Gemeindeglieder in Eversten und Bloherfelde atemberaubend schnell gewachsen. Eversten hatte sich zu einer Großgemeinde mit über 16.000 Gemeindegliedern entwickelt und sollte noch weiter wachsen. In der Gemeinde wurden Stimmen laut, die mit Hinweis auf das Bedürfnis nach Nähe, Gemeinschaft und Überschaubarkeit und im Interesse eines wirksamen Gemeindeaufbaus eine Teilung der Großgemeinde anstrebten.

Nach langer, durchaus kontroverser Beratung war es im Oktober 1969 zu einem Antrag an die Synode der Ev.-luth. Kirche in Oldenburg gekommen. Der Antrag beginnt mit dem Satz: „Zur Neuordnung der Arbeit in der jetzigen Gemeinde Eversten soll die Gemeinde geteilt und gleichzeitig aus den Einzelgemeinden ein Gemeindeverband gebildet werden.“ Dem Gemeindeverband wurde die Verantwortung übergreifender Aufgaben übertragen. Als solche erkannte man damals die Verwaltung der Finanzen und des Personals, die Verantwortung für die Liegenschaften und Gebäude in den Gemeinden, den Betrieb des Friedhofs und die gemeinsame inhaltliche Verantwortung für Jugendarbeit, Kirchenmusik und „Altenarbeit“. Ein entsprechendes Gesetz wurde verabschiedet – das „Eversten-Gesetz“, das in der Oldenburger Kirche einmalig ist.

Was zuerst wie ein notvoller Kompromiss aussieht, wirkte sich in den darauf folgenden Jahrzehnten segensreich aus: Durch die Bildung einer effektiv arbeitenden Verwaltung waren die vier Gemeinden weitgehend freigestellt für die inhaltliche Ausrichtung ihrer Arbeit. In den Gemeinden bildeten engagierte Christen Leitungsgremien, die den Gemeindeaufbau in ihrem überschaubaren Stadtgebiet im Sinne einer stadtteilbezogenen, nachbarschaftlichen Gemeindearbeit mit Elan vorantrieben. So konnte in den und rund um die vier, später drei Gemeindezentren ein vitales Gemeindeleben wachsen mit jeweils eigener Kultur und eigenen Schwerpunktsetzungen. Menschen konnten wahrgenommen, begleitet und im Geist des Evangeliums ermutigt werden – nicht zuletzt auch zur aktiven Mitarbeit in der jeweiligen Gemeinde. Durch die Bündelung von Ressourcen konnte der Verbund äußerst leistungsstark für die Arbeit in den Gemeinden handeln. Er konnte in Personal und in Räume für die Gemeindearbeit investieren und auch in sozialen Fragen ein verlässlicher Partner für die Kommune werden.

Diese segensreiche Auswirkung des Eversten-Gesetzes wurde durch die Verwaltungsreform der Ev. Kirche in Oldenburg in den Jahren 2008 und danach konterkariert: Ein sehr großer Teil der Verwaltungsarbeit, die bisher auf der Ebene des Verbandes für die drei Gemeinden professionell erledigt wurde, soll nun – bei gleichzeitigem Stellenabbau –von Haupt und Ehrenamtlichen aus den Gemeinden verantwortet werden, die zuvor weitestgehend für die pastorale Arbeit und den Gemeindeaufbau in ihrer Gemeinde und im Verbund unterwegs waren. Gleichzeitig befinden wir uns mitten in großen und immer schneller getakteten gesellschaftlichen Veränderungen, deren Auswirkungen wir auch in unserer kirchlichen Arbeit deutlich zu spüren bekommen.

Das Eversten-Gesetz hat gute Grundlagen dafür geschaffen, dass nicht jede unserer drei Gemeinden diese Herausforderungen alleine bewältigen muss. In einem kontinuierlichen Prozess werden wir in den nächsten Jahren gemeinsam prüfen, wie das „Everster Dreigestirn“ im Interesse der Menschen in den Stadtteilen und des Gemeindeaufbaus weiterentwickelt werden muss. Auf die sich rasant verändernden gesellschaftlichen und innerkirchlichen Rahmenbedingungen werden wir uns gemeinsam einstellen: 3 für 1 und 1 für 3! Was wohl am Ende dieses Prozesses stehen wird? Eine Gesamtkirchengemeinde, deren drei Gemeinden auf vielen Arbeitsfeldern noch stärker kooperieren und vieles gemeinsam bedenken und planen werden oder eine Gemeinde mit drei Bezirken und drei Standorten, aber ohne Eversten-Gesetz? Eins steht fest: Wir gehören zusammen. Wir wachsen zusammen. Wir wachsen zusammen.          

Pastor Thibaut  

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