Der Bloherfelder Schwan bei seiner Montage im Oktober 2008

Die Geschichte des Schwans

Der Schwan auf dem Dach unserer Kirche kann eine ganz lange und erschütternde Geschichte von christlichem Mut und Erneuerung, aber auch von Feindschaft und Vernichtung erzählen. Denn die Entstehung der Evangelischen Kirche, die wir heute so selbst-verständlich leben, war vor den Zeiten ihrer Entstehung ein gefährliches Wagnis.

 

Ein wichtiger Vorläufer der Refor-mation war ein Theologe namens John Wycliffe in Oxford, der von 1356-1384 lehrte und eine bibeltreue Kirche forderte. 1383, ein Jahr vor seinem Tod, erschien das von ihm ins Englische übersetzte Neue Testament.

 

Seine Ideen wurden von Johannes Hus in Prag aufgegriffen und wei-tergetragen: die bibeltreue Kirche trachte nicht nach Besitz, Reichtum und Macht, verkaufe keine Ablasszettel, verehre keine Reliquien und Heiligen, setze keinen Papst mit politischem Herrschaftsanspruch an seine Spitze. Johannes Hus, dessen Nachname auf deutsch "Gans" bedeutet, war Prediger und Universitätslehrer und seit 1409 Rektor der Universität. Für seine Ideen begeisterte sich eine wachsende Anhängerschaft, die Hussiten genannt wurden. Gleichzeitig wuch-sen Kritik und Verfolgung durch die offizielle katholische Kirche. 1410 erhielt er Predigtverbot durch den Prager Erzbischof, 1411 wurde er exkommuniziert und 1412 mit einem Bann durch den Papst belegt.

 

1413 erschien sein Buch "De ecclesia", in dem er die Thesen Wycliffes weiter vehement vertrat. Das führte zu einer Anklage vor dem Konstanzer Konzil 1414, zu dem König Sigismund ihm freies Geleit versprochen hatte. Trotz dieses Versprechens wurde er auf dem Weg nach Konstanz verhaftet und nach seiner Weigerung zu widerrufen, als Ketzer verbrannt. Vor dem Konzil soll er in Anspielung auf seinen Namen (Hus = Gans) gerufen haben: "Ihr tötet nur eine Gans, aber nach mir kommt ein Schwan, den könnt ihr nicht mundtot machen."

 

Fast genau 100 Jahre später tauchte dieser Schwan auf in der Person Luthers, der die Ideen von Wycliffe und Hus wieder mit Überzeugung vertrat und 1517 durch die 95 Thesen an der Kirchtür in Wittenberg in Deutschland einen Sturm sowohl der Entrüstung als auch Zustim-mung auslöste. Die Reformation war nicht mehr mundtot zu machen und ergriff das ganze Land. Seitdem wird Luther in vielen Darstellun-gen mit einem Schwan auf dem Arm gezeigt. Jede Kirche, die sich zum evangelisch-lutherischen Glauben zugehörig fühlt, kann dies mit dem Symbol des Schwanes deutlich machen. Unser schöner, ge-schmeidiger, friedvoller Schwan ist somit ein Bekenntnis zu den Lehren Luthers in unserer vielfältigen christlichen Landschaft.

E. Damm

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